IVA wurde als Werkzeug zum Einsatz im Bereich der Arbeitsgestaltung von computerunterstützten Aufgaben entwickelt. Es trägt insbesondere zur Lösung von zwei Problemfeldern bei:
Bei der Softwareentwicklung und -anpassung dient IVA dem Spezialisten dazu, die künftigen Benutzer in die Programmplanung einzubeziehen und deren Expertenwissen über ihren Arbeitsbereich strukturiert zu erfassen (partizipative Softwaregestaltung). Auf diese Weise können Reibungsverluste bei der Einführung verringert werden.
2. Benutzerbeteiligung
IVA hilft bei der Neu- und Umgestaltung von computerunterstützten
Vorgängen unter Beteiligung der betroffenen Mitarbeiter.
IVA, das Instrument
zur VorgangsAnalyse, dient zur Erhebung und
Modellierung von computerunterstützten Vorgängen aus Sicht der
Aufgabenträger. Es wurde im Projekt "Computerunterstützte
Vorgangsanalyse" der Universität Mannheim zusammen mit der Universität
Saarbrücken und der Daimler-Benz-Forschung entwickelt.
Bei IVA handelt sich um einen Interviewleitfaden,
der den Benutzer bei der Erarbeitung eines Modells seiner Aufgabe aus seiner
subjektiven Sicht des Vorgangs heraus unterstützt. Gestützt
von den Fragen des Leitfadens erkennt der Befragte Elemente und Struktur seiner
Aufgabe und fügt diese während des Interviews zusammen. IVA bietet
eine überschaubare Anzahl von Grundelementen an, aus denen
Interviewer und Aufgabenträger gemeinsam in der Strukturlegetechnik auf
verschiedenen Karten ein bildhaftes Modell des Vorgangs erstellen.
IVA wird nicht am Computer durchgeführt, sondern mit Papier und Bleistift. Der Befragte hat stets das ganze Modell vor Augen, so daß es auch für ungeübte Benutzer leicht zu bearbeiten ist. Die Ergebnisse des Erhebungsprozesses sind durch die Strukturlegetechnik sofort vorzeigbar. Dadurch können andere Beteiligte in einem frühen Stadium einbezogen werden.
Die Elemente sind an das ARIS-Toolset (Fa. IDS von Prof. Scheer)
angepaßt, eine Übertragung in Geschäftsprozeßmodelle und
eine EDV-Aufbearbeitung ist problemlos möglich aber nicht verbindlich.
Durch die vorgegebenen Fragen des strukturierten Interviewleitfadens wird gewährleistet, daß die Befragten keinen Teil ihrer Aufgaben beim Erstellen ihres Modells übersehen. Die Benutzer werden angehalten, andere Vorgangsalternativen zu bearbeiten und zu berücksichtigen. Auch zu bisher nicht vorhandenen Vorgängen oder Alternativen können Modelle erzeugt werden.
Zusammen mit den Benutzern werden die Vorgänge auf ihre
Brauchbarkeit und die psychischen Auswirkungen auf den Mitarbeiter untersucht.
Das Erarbeiten eines vollständigen Vorgangsmodells mit den Benutzern
geschieht in zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen und erfordert einen Zeitaufwand
von nur wenigen Stunden.
Anwendung: Software-Entwicklung und -anpassung
Bei der Entwicklung und bei der Anpassung von Softwarelösungen an unterschiedliche Arbeitsbereiche steht die Frage im Vordergrund, wie die umgangssprachlichen Problembeschreibung in ein (objektorientiertes) Programm umgesetzt werden kann. Zur Darstellung der zugrundeliegenden Abläufe liegen bereits mächtige Methoden (z.B.: Object Behaviour Analysis, Use-Cases in OOSE) vor. Diese Modelle haben jedoch den Nachteil, den zukünftigen Anwender zu wenig einzubinden. Dabei können durch eine solche Einbindung bei der Einführung der Software Akzeptanz gesteigert werden und das Expertenwissen der Benutzer in die Lösung mit einbezogen werden.
Dem in der Darstellung seines Wissens ungeschulten Benutzer wird
gleichzeitig geholfen, seine Aufgabe in einer Weise formal zu beschreiben, die
eine leichte Programmierbarkeit der Lösung ermöglicht.
Anwendung: Gestaltung von computerunterstützten Vorgängen
Die Einführung neuer Software-Systeme führt oft zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für die Benutzer, weil Handlungsalternativen, die vom Mitarbeiter wahrgenommen werden, in der Software unberücksichtigt bleiben. Zwar bemühen sich alle Beteiligten den Vorgang möglichst genau abzubilden, jedoch neigen Arbeitsabläufe dazu, den heutigen Anforderungen nicht in allen Bereichen zu genügen, da die betriebliche Umwelt einem ständigen Wechsel unterworfen ist. Der Versuch einer exakten Abbildung des Vorgangs in eine EDV-Lösung führt zur schlechten Kopie des veralteten Arbeitens und nicht zu einem Hilfsmittel für eine zeitgemäße optimale Lösung.
Dem Benutzer wird mit IVA die Möglichkeit gegeben, den
bisherigen Vorgang zu durchschauen und Verbesserungsvorschläge zu
erarbeiten. Vorgänge können zunächst so angepaßt werden, daß
die neuen Chancen der Computerunterstützung genutzt werden können. Bei
der Neugestaltung von Vorgängen trägt IVA dazu bei, daß sie den
Bedürfnissen der künftigen Mitarbeiter entsprechen und für diese
persönlichkeitsförderlich sind.
Kontaktadresse:
Universität Mannheim
Lehrstuhl Psychologie I
Projekt "Computerunterstützte Vorgangsanalyse"
Tattersallstr. 2
68165 Mannheim
Telefon 0621 / 292-5085
Telefax 0621 / 292-5085
e-mail: dresch@rummelplatz.uni-mannheim.de
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